Auswahl der Fototaschen
Beitrag von Simon in Bericht, Erfahrung
Ich möchte mit einem guten Beispiel vorangehen und einen ersten längeren fachlichen Beitrag schreiben. Das Thema des Beitrages klingt auf den ersten Blick einfach – es geht um den sicheren Transport der Fotoausrüstung, also den Kauf von Taschen, Rucksäcke, etc. Ich persönlich war recht erstaunt und habe es mir wesentlich einfacher vorgestellt, als es dann im Endeffekt wurde. Gerne würde ich daher eine paar Erfahrungen teilen. Zur Referenz verwende ich die Produkte der Firma Lowepro, aber sicherlich können hier auch andere Hersteller, wie Tamrac oder Crumpler genannt werden.
Die Einsatzszenarien
Bevor man sich mit der Suche beschäftigt, sollte man sich die Frage stellen, was man eigentlich sucht. Ich habe ein Paar Leute in meinem Umkreis gefragt, welche Taschen und Rucksäcke sie besitzen, und viele unterschiedliche Antworten bekommen. Nun führe ich an dieser Stelle einige typische Einsatzszenarien von Fototaschen auf:
Die Kameramitnahme
Eine typische Anforderung für einen Fotoamateur ist das Mitnehme der Kamera selbst. Besitzt man wenig Zubehör und keine teuren (und schweren) Objektive, so reicht eine einfache “Toploader”-Tasche. Diese wird als Schultertasche getragen und hat üblicherweise ein großes Fach, welches von oben zugänglich ist. In dieses Fach wird von oben die Kamera mit dem Objektiv nach unten gelegt, daher auch der Name. Toploader sind die Standardtaschen schlechthin, haben aber einige Vor- und Nachteile, die erwähnt werden sollten. Der eigentliche Vorteil von Toploadern ist die Kompaktheit. Die Tasche kann immer mit, fällt nicht auf und bietet üblicherweise ausreichend Schutz für die Kamera. Die selbe Eigenschaft kann aber auch als wesentlicher Nachteil ausgelegt werden – hat man Wechselobjektive, Blitz und sonstiges Zubehör dabei, passt es nicht in die Tasche. Ein weiterer Nachteil für (teure) schwere Objektive: Die Kamera wiegt mit manchem großem Objektiv um die zwei Kilo. Sehr wichtig dabei wird die Qualität des Gurtes, aber auch mit einem guten Gurt wird die lose Schultertasche zu einem Hammer, der ständig gegen die Hüfte stößt.
Die Autolösung
Die Lösung des Problems mit dem Zubehör sind die Schultertaschen. Diese haben ein wesentlich größeres Fassungsvermögen und variieren von klein bis groß. Damit ist auch das Mitnehmen von mehreren Objektiven möglich. Wichtig dabei ist die Möglichkeit der Einteilung des Innenraumes der Tasche in Sektionen, in die das Zubehör passend verstaut werden kann. Noch ein weiteres wichtiges Kriterium bei den Schultertaschen ist die Position der Kamera. Es gibt Hersteller, die die Kamera zentral platzieren und mit Zubehör umgeben. Andere legen die Kamera z. B. auf den Boden der Tasche. Stellt man die Tasche unvorsichtig ab, kann die Kamera eventuell beschädigt werden. Der Vorteil der Schultertasche ist sicherlich der schnelle Zugriff auf das Innere, sowohl im Stehen als auch im Sitzen. Der klare Nachteil ist, dass das Gesamtgewicht der Tasche auf einer Schulter hängt. Das kann bei drei bis vier Objektiven bis zu fünf Kilo werden, was lange Spaziergänge erschwert. Auch der Einsatz der Schultertasche auf dem Fahrrad ist hinderlich. Das Haupteinsatzszenario der Schultertaschen ist sicherlich während einer Fotosession für den schnellen Objektivwechel, aber nicht langes Spazieren mit der Kamera.
Der Bergsteigeransatz
Viel besser kann man mit einem Rucksack spazieren oder Fahrrad fahren. Das Gesamtgewicht wird gleichmäßig auf die Schulter verteilt, so dass auch längere Spaziergänge kein Problem darstellen. Rucksäcke sind allgemein sehr praktisch, haben aber auch einige Nachteile. Der erste ist sicherlich der Preis – die Rucksäcke sind die teuersten Taschen. Sie sind zwar super zum Tragen der Ausrüstung, sind aber im Nachteil bezüglich der Zugriffsgeschwindigkeit. Der Rucksack muss abgeschnallt werden, das Objektiv herausgeholt, gewechselt und das alte reingelegt werden – das macht man sicherlich nicht im Stehen, sondern kniet sich hin. Noch schlimmer ist es, wenn man unterwegs ist und nur gelegentlich Motive findet. Da muss man sich entscheiden, ob man die Kamera in den Händen hält oder in den Rucksack wegpackt und für jeden Schuss anhält und erst wieder auspackt. Ein weiterer Nachteil eines Rucksacks ist, dass man nur einen zur Zeit tragen kann (Marcus trägt einen vorne und einen hinten, aber das muss man mögen). Für beide Rucksack-Nachteile gibt es Abhilfen.
Die Schlingenlösung
Das Problem des Zugriffs auf die Kamera wird gut mit einer Rucksack-Tasche-Kombination gelöst. Der Rucksack hat nur einen Träger, den man diagonal trägt (Schlinge). Für den Zugriff auf die Kamera dreht man den Rucksack um den eigenen Oberkörper, so dass er vorn an der Brust hängt. Die spezielle Seitenlasche ist mit eine Klettverschluss versehen, so dass man binnen Sekunden die Kamera in den Händen hat. Der Nachteil dieser Lösung ist, dass man nur schwer einen zweiten Rucksack mitnehmen kann. Die Slignshots bieten genügend Platz für das Zubehör wie Blitz und Objektive, möchte man jedoch ein Buch mitnehmen, muss dieses in den Händen getragen werden. Besonders dieser Aspekt macht einen Slignshot nur bedingt reisetauglich. Eine Mitnahme der Kamera für einen Zwei-Tage-Trip mit dem Flugzeug ist zwar prinzipiell möglich, jedoch gibt es zunehmend mehr Fluggesellschaften, die nur ein Handgepäckstück zulassen.
Rücken frei, Hände frei
Die alternative Lösung für den schnellen Zugriff auf die Kamera ist eine Hüfttasche. Diese leiden im Allgemeinen an gleichen Problemen wie die Toploader in Bezug auf die Menge der Ausrüstung, können aber in Kombination mit Rucksäcken eine sinnvolle Lösung darstellen. Der klare Vorteil: man hat die Kamera griffbereit und den Rücken und die Hände frei. Praktisch ist die Hüfttasche auch beim Fahrradfahren.
Flieger, Läufer, Fahrradfahrer
Meine Strategie beim Kauf der Taschen bestand darin, dass ich einen Rucksack gesucht habe, der vielseitig ist. Als Einsatzszenario denke ich an eine Wochenendreise in Europa, mit einem Flugzeug. Das Ganze ist wesentlich bequemer, wenn man es schafft das Gesamtgepäck in eine Tasche zu stecken. Des weiteren sollte in den Rucksack ein DIN A4 / Laptop reinpassen. Daher fiel meine Wahl auf Lowepro Computracker AW. Der Rucksack hat ein großes Fassungsvermögen und liegt gut am Rücken. Meine gesamte Foto-/Video-Ausrüstung samt Laptop passt dort hinein. Der Rucksack weist eine für Lowepro übliche, hochwertige Verarbeitung auf und glänzt mit netten Zusatzfeatures wie der Regenüberziehsack. Der einzige Nachteil auf der Straße ist die Wahl zwischen “Kamera-in-der-Hand”- oder ständiger “Kamera-rein-raus”-Technik. Als Abhilfe dazu kaufte ich mir die Lowepro Offtrail 1 – eine Hüfttasche für den schnellen Zugriff.
Abschließende Bemerkungen
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Auswahl der Taschen mit Rücksicht auf die häufigsten Einsatzszenarien durchgeführt werden sollte. Ich persönlich kann jedem empfehlen die Tasche anzufassen, bevor man diese kauft. Im Vergleich zur sonstigen Ausrüstung gibt es hier deutliche Qualitätsunterschiede sowohl in den Materialien als auch in der Verarbeitung. Wer die Möglichkeit nicht hat, kann um sicher zu gehen zu renommierten Herstellern greifen.
Referezen
Tags: Gurttasche, Hüfttasche, Rücksack, Tasche, Toploader
Kommentare
Naja den SlingShot (Schlingenlösung) kannst Du auch vorne Tragen, so das ein Rücksack auch hinten getragen werden kann. So würde man vieleicht nicht in die Berge steigen, aber wenn man schon einmal einen Rücksack mitnehmen muss ist es auch kein Problem.
Ein kleines Buch passt auch in die oberer Tasche, sowie was zum Trinken und Naschen.
Daher bin ich mit dem Slingshot im Moment sehr zufrieden.
Hi Shuron,
man kann den SlingShot natürlich auch vorne tragen. Allersings, nur wenn dein rechter Arm amputiert wurde. Sonst stellt es sich schon als eine Herausforderung dar.
Gruß,
Boris
Die Sache ist doch die, dass man am liebsten alle Taschen hätte und würde sie nach Bedarf einsetzen.
Als erstes kauft man sich jedoch diejenige, die man meint am Häufigsten einsetzen zu müssen.
Möglicherweise hole ich mir irgendwan einen Rucksack, wo noch neben der Kamera auch ein Zelt reinpasst. Im Moment brauche ich das nicht.